Top oder Flop? Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie diese daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während die Tierrechtsorganisation in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen kann, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht oder nur unzureichend umsetzen. Ein Grundproblem: Es fehlt eine neutrale Aufsichtsbehörde, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt. Das folgende Ranking umfasst Veterinärämter, die im Jahr 2025 aus PETAs Sicht besonders positiv oder besonders negativ aufgefallen sind. Dabei wird jeweils die ganze Behörde genannt, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.
„Vergangenes Jahr erreichten PETA etwa 5.200 Whistleblower-Meldungen über mutmaßliche Tierschutzmissstände und Tiermissbrauch. Um diese verfolgen und anzeigen zu können, stehen wir täglich in Kontakt mit vielen Veterinärbehörden“, so Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „Seit 2012 nehmen wir in unserem jährlichen Ranking Ämter auf, die besonders positiv oder negativ aufgefallen sind, nachdem PETA sie über einen Missstand informiert hatte. Bei den über 400 deutschen Veterinärbehörden erleben wir noch immer große Leistungsunterschiede. Zwar gelten für alle dieselben Gesetze und Verordnungen, bei der Bewertung von Tierschutzfällen gibt es jedoch einen großen Ermessensspielraum. Bei den Behörden kommt es daher auf das persönliche Engagement der Amtsveterinäre an.“
Im Folgenden sind die nach PETAs Auffassung jeweils fünf besten und tierfeindlichsten Veterinärbehörden 2025 aufgeführt.
TOP 5
Veterinäramt der Stadt Dresden
Im Mai 2025 erhielt PETA eine Whistleblower-Meldung mit Bildmaterial, das den Einsatz von Vergrämungsnetzen an der Loschwitzer Brücke in Dresden dokumentierte. Die Aufnahmen zeigten, dass die Netze fehlerhaft angebracht worden waren. Infolgedessen waren mehrere Tauben, darunter auch Jungtiere, sowie ihre Nester hinter den Netzen eingeschlossen. Einige Tiere waren bereits gestorben. Angesichts der akuten Gefährdung wandte sich PETA umgehend an das zuständige Veterinäramt der Stadt Dresden und forderte die sofortige Entfernung der Netze sowie die Entwicklung einer tiergerechten, nachhaltigen Lösung, um das Nisten der Vögel am Bauwerk zu verhindern. Das Veterinäramt reagierte zeitnah und ließ die Vergrämungsnetze entfernen. Für dieses schnelle und verantwortungsvolle Handeln wurde die Behörde in die Top 5 der tierfreundlichsten Veterinärbehörden 2025 aufgenommen.
Veterinäramt der Stadt Dortmund
Im November 2025 erhielt PETA eine Whistleblower-Meldung über eine vermutlich nicht artgerechte Haltung von Fischen in Dortmund. Laut Meldung lebte ein Fisch allein in einem „trostlosen“ Aquarium eines Restaurants. Bei dem Fisch handelte es sich mutmaßlich um einen Goldfisch, welche sehr soziale Tiere sind und niemals allein gehalten werden sollten. PETA informierte daraufhin umgehend die zuständige Veterinärbehörde der Stadt Dortmund und bat um eine Kontrolle der Haltung vor Ort sowie um die Anordnung geeigneter Maßnahmen, um dem Fisch ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Kurze Zeit später ergab die Rückmeldung der Behörde, dass der Hinweis berechtigt war und mehrere dort lebende Fische aus der Haltung genommen und in einer Pflegestelle untergebracht wurden. Für dieses schnelle und verantwortungsvolle Handeln wurde die Behörde in die Top 5 der tierfreundlichsten Veterinärbehörden 2025 aufgenommen.
Veterinäramt Berlin Tempelhof-Schöneberg
Im September 2025 erreichten PETA Videoaufnahmen, die schwere sexuelle und psychische Misshandlungen an einem Welpen zeigten. Nach intensiver Recherche konnten PETA-Ermittlerinnen die mutmaßliche Täterin und den Hund in Berlin lokalisieren. Die weiteren Nachforschungen ergaben, dass die Frau 2024 in Polen als vermisst gemeldet worden war und sich offenbar nach Deutschland abgesetzt hatte. Rund drei Wochen vor den ersten Aufnahmen hatte sie den Welpen bei einer polnischen Züchterin erworben und illegal nach Deutschland gebracht. In zusätzlichen Videos war zu sehen, wie sie den Hund misshandelte, unter anderem indem sie ihn am Geschirr in die Luft schleuderte oder heftig schüttelte. In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt und der Veterinäraufsicht Tempelhof-Schöneberg kam es zu einer Hausdurchsuchung und der Welpe konnte gerettet werden. Er wurde in das Tierheim am See in Eisenhüttenstadt gebracht, wo er medizinisch betreut wurde. Mittlerweile hat er ein liebevolles Zuhause gefunden. Aufgrund des schnellen und verantwortungsvollen Handelns wurde die Veterinärbehörde in die Top 5 der tierfreundlichsten Veterinärbehörden 2025 aufgenommen.
Veterinäramt des Rheingau-Taunus-Kreises
Im Juli 2025 erhielt PETA eine Whistleblower-Meldung über eine tierschutzwidrige Haltung eines Kaninchens in einem kleinen Gitterkäfig auf einem Balkon in Hünstetten. Laut der Meldung befand sich das Tier ungeschützt vor der Witterung und ohne Artgenossen in einem viel zu kleinen Käfig. Es hatte zudem keine Möglichkeit, sich frei zu bewegen, und lebte in seinem eigenen Kot. Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige und soziale Tiere, die niemals allein gehalten werden dürfen. PETA informierte umgehend die zuständige Veterinärbehörde des Rheingau-Taunus-Kreises und bat um eine Kontrolle sowie um geeignete Maßnahmen, um dem Kaninchen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Das Amt informierte die Tierrechtsorganisation daraufhin, dass das Kaninchen aus der Haltung genommen wurde. Für dieses schnelle und verantwortungsvolle Handeln wurde die Behörde in die Top 5 der tierfreundlichsten Veterinärämter 2025 aufgenommen.
Kreisveterinäramt Kusel
Im August 2024 erreichte PETA eine Whistleblower-Meldung zu einer tierschutzwidrigen Haltung von drei Füchsen in Schellweiler. Die meldende Person gab an, dass am Wohnhaus eines Jägers Füchse in einem schätzungsweise 10 bis 15 Quadratmeter kleinen Gitterschuppen gehalten werden und der beißende Gestank der Haltung bereits aus der Ferne wahrnehmbar sei. Nach PETAs Meldung an das Kreisveterinäramt Kusel wurde die Situation umgehend überprüft und beanstandet. Wie die Tierrechtsorganisation Anfang 2025 erfuhr, übergab der Jäger die Füchse daraufhin freiwillig der Behörde. Zwei der Tiere konnten in die Obhut des Wildtierschutzvereins WITAS e.V. im Saarland überführt werden. Ein weiterer Fuchs war zuvor aus der Haltung entkommen. Nach Angaben der Auffangstation handelt es sich um Tiere, die zuvor in einer Schliefenanlage im Saarland für das Training von sogenannten Jagdhunden missbraucht wurden. Die Füchse seien aufgrund der anhaltenden Qualhaltung psychisch massiv belastet. PETA hat wegen der grausamen Bedingungen Strafanzeige gegen den verantwortlichen Jäger bei der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gestellt. Das Veterinäramt verhängte zudem ein Haltungsverbot für Füchse gegen den Mann – eine Entscheidung, die dem Amt einen Platz unter den Top 5 der besten Veterinärämter 2025 einbringt.
FLOP 5
Veterinäramt Berlin Pankow
Anfang September 2025 erreichte PETA eine Whistleblower-Meldung über mehrere kranke und tote Tauben in einer Baustelle neben einer Schwimmhalle in Berlin Pankow. Durch einen Wasserstau sammelte sich dort verunreinigtes Wasser. Viele Tauben, die dort schon lange leben, sollen davon getrunken haben, erkrankt und letztlich qualvoll gestorben sein. Die Tierrechtsorganisation meldete den Fall mehrfach dem zuständigen Veterinäramt, wo die Sachlage bereits bekannt war. Sowohl die Behörde als auch die Badleitung waren sich der Gefahr für die Vögel bewusst, sahen jedoch scheinbar keinen Handlungsbedarf. Auch Monate später erreichten PETA Meldungen zu toten Tauben. Nach mehrmaligem Nachfragen erhielt die Organisation vom Veterinäramt keine Rückmeldung mehr. Von der Behörde angeordnete Maßnahmen wurden anscheinend vor Ort weder tiergerecht umgesetzt noch kontrolliert. Somit zählt das Veterinäramt Berlin-Pankow zu den Flop 5 der schlimmsten Veterinärbehörden 2025.
Veterinäramt Wetteraukreis
Mitte August 2025 deckte PETA erstmalig einen illegalen Welpenhandel eines mutmaßlichen Hundehändlernetzwerks in Büdingen auf. Ein etwa sieben Wochen alter Toypudel-Welpe wurde für 2.000 Euro auf der Internetplattform „deine-tierwelt.de“ angeboten und sollte noch am selben Tag verkauft werden. In der Verkaufswohnung befand sich zudem ein weiterer verängstigter Welpe in einem separaten Zimmer. Die PETA-Ermittlerin dokumentierte alle Beweise und alarmierte die Polizei, die umgehend die zuständige Veterinärbehörde des Wetteraukreises informierte. Trotz des schlechten Allgemeinzustands der Tiere und deutlicher Hinweise auf illegalen Handel blieb das Veterinäramt untätig. Die beiden Hundekinder verblieben bei der Händlerin – aus Sicht der Tierrechtsorganisation ein gravierendes Versäumnis im behördlichen Tierschutz. Wenige Wochen später deckte die PETA-Ermittlerin einen weiteren Fall des Netzwerks auf. Ob die Veterinärbehörde inzwischen Maßnahmen ergriffen hat, ist unklar. Wegen des offensichtlichen Fehlverhaltens und der mangelnden Bereitschaft, die Welpen zu schützen, stuft PETA das Veterinäramt des Wetteraukreises als einen der fünf Flops unter den deutschen Veterinärbehörden 2025 ein.
Veterinäramt des Landkreises Neu-Ulm
Anfang September 2025 erfuhr PETA über Medienberichte von der Geburt eines Dromedarbabys des damals erst seit Kurzem in Vöhringen gastierenden Circus Barnum. Wenige Tage nach der Geburt wurden Mutter und Kind im Landkreis weiter transportiert. Dabei gelten hochschwangere Tiere, Tiere in ihren ersten sieben Tagen nach der Geburt sowie Säugetiere, deren Nabelwunde noch nicht vollständig verheilt ist, als nicht transportfähig. Auch in den Zirkusleitlinien des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wird das Mitführen hochschwangerer und stillender Tiere grundsätzlich abgelehnt [1]. Die Behörde in Neu-Ulm erklärte jedoch, die Zirkusleitlinien hätten „keinen Gesetzescharakter“; und behauptete, es sei nicht ausdrücklich verboten, hochschwangere Tiere zu transportieren. [2] Zudem sei zu berücksichtigen, dass Tiere im Zirkus „den Transport gewohnt“ seien – ein Umstand, der auf ein Neugeborenes nicht zutrifft. Damit stellt sich das Veterinäramt des Landkreises Neu-Ulm auf die Seite der Zirkusbetreiber – statt den Schutz und das Wohlergehen der Tiere in den Vordergrund zu rücken – und ist damit einer der fünf Flops unter den deutschen Veterinärbehörden 2025.
Kreisveterinäramt Ortenau
Im Dezember 2025 erreichten PETA Whistleblower-Aufnahmen von Hunde-„Trainings“ für eine Zirkusshow im Europa-Park Rust. Diese zeigen, wie „Trainer“ Wolfgang Lauenburger die Vierbeiner im Backstagebereich einschüchtert und misshandelt. Die Tierrechtsorganisation informierte unverzüglich das Veterinäramt des Ortenaukreises über die Missstände. Zudem forderte PETA die sofortige Wegnahme der Hunde sowie ein Tierhalte- und Betreuungsverbot für den Hundetrainer. Doch statt die Tiere schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, gab das Amt an, dass sie nicht mehr gefährdet seien, weil der Park die Vorstellung gestoppt habe und mit ihnen derzeit nicht trainiert werde. Außerdem wurde auf die Zuständigkeit der Behörde am Heimatort des Tierhalters verwiesen, die die für die gewerbsmäßige Zurschaustellung notwendige Genehmigung erteilt hat. Schon 2024 schreckte das Veterinäramt des Ortenaukreises vor der Beschlagnahmung von Kapuzineraffe Jessy aus einer artwidrigen Privathaltung zurück. Die Behörde sichert sich so zum zweiten Mal in Folge einen Platz in den Flop 5 der schlimmsten Veterinärbehörden Deutschlands.
Veterinäramt des Schwalm-Eder-Kreises
PETA erhielt erstmals im Jahr 2022 einen Hinweis zu einem Baummarder, der im Wildpark Knüll in Homberg unentwegt im Kreis läuft. Ein Video zeigt, dass er schon eine kreisrunde Furche in den Boden gelaufen hat. Eine Meldung an das Veterinäramt Schwalm-Eder-Kreis im September 2022 blieb unbeantwortet. Auch der kontaktierte Wildpark antwortete nicht. Anlässlich eines gleichlautenden Hinweises im Juni 2024 informierte die Tierrechtsorganisation erneut die Behörde. Diese teilte daraufhin mit, dass der Fall in Bearbeitung sei. Im Juni 2025 erhielt PETA eine weitere Besuchermeldung mit der gleichen Beschreibung des im Kreis laufenden Marders. Auf die Anfang Juli 2025 nochmals getätigte Kontaktaufnahme zum Amt erfolgte keine Rückmeldung. Verhaltensstereotypien wie ständiges Im-Kreis-Laufen sind ein Anzeichen für schweres seelisches Leid bei einem Wildtier. Durch strukturelle Verbesserungen des Geheges oder eine Umsiedlung in eine geeignete Auffangstation könnte die Situation für den Baummarder verbessert werden. Weil das Veterinäramt jahrelang die Tierschutzmeldungen einfach ignorierte und den Marder leiden lässt, stuft PETA die Behörde im Ranking der deutschen Veterinärämter für 2025 unter den Flop 5 ein.
Zeugen von Tierquälerei sollten sich an die zuständige Veterinärbehörde ihrer Stadt oder ihres Landkreises wenden. Es ist ratsam, Beobachtungen detailliert und sachlich zusammenzufassen. Besonders hilfreich ist Bild- und Videomaterial. Empfehlung von PETA: Nach der Meldung beim Veterinäramt unbedingt so lange dort nachhaken, bis der Missstand beseitigt ist. Das kann ermüdend sein, ist aber oft die einzige Chance für das jeweilige Tier. Eine Übersicht mit ausführlichen Tipps, wie Zeugen gegen Tierquälerei vorgehen können, gibt es unter Tierquälerei.de.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
[1] BMLEH (1999): Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen. Online aufrufbar unter: www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/Gutachten-Leitlinien/HaltungZirkustiere.pdf?__blob=publicationFile&v=2. (09.02.2026).
[2] Südwest Presse (05.09.2025): Tierfreunde fordern Transportverbot für neugeborenes Dromedar. Online aufrufbar unter: https://www.swp.de/lokales/ulm/peta-zeigt-circus-barnum-an-tierschuetzer-fordern-transportverbot-fuer-neugeborenes-dromedar-78289205.html. (09.02.2026).
Weitere Informationen:
PETA.de/Neuigkeiten/Veterinärämter-2025
PETA.de/Neuigkeiten/Veterinärämter-2024
PETA.de/Themen/Vernachlässigte-Tiere-erkennen
Tierquälerei.de/Tierquälerei-meldenPETA.de/Themen/lebende-Krippe
PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.
PM PETA Deutschland e.V.