Der Online-Modehändler Shein verkauft weiterhin mit gefährlichen Chemikalien belastete Kleidungsstücke und ignoriert entsprechende Warnungen weitgehend. Das Bremer Umweltinstitut hat im Auftrag von Greenpeace im Januar 2026 31 Kleidungsstücke getestet und in 25 davon teils massiv überschrittene Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) festgestellt. Dabei handelte es sich um identische oder sehr ähnliche Produkte wie bei einem Greenpeace-Test im November 2025, welche laut Shein nicht mehr auf der Plattform verfügbar sein sollten.
Greenpeace hatte vor rund drei Monaten bereits unter anderem die Weichmacher Phthalate sowie die „Ewigkeitschemikalie“ PFAS in viel zu hoher Konzentration nachgewiesen. Als Reaktion hatte Shein angekündigt, die betroffenen Artikel vom Markt zu nehmen und erklärte, Produktsicherheit sowie EU-Standards hätten oberste Priorität. Ein folgenloses Versprechen: Shein entfernte einzig die von Greenpeace beanstandeten, konkreten Produktnummern.
„Sheins Dreistigkeit ist erschütternd. Vor dem EU-Parlament verspricht der Konzern, Verbraucher:innen zu schützen – doch in Wahrheit verkauft Shein massiv belastete Produkte einfach weiter“, sagt Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft. “Shein ignoriert unsere Warnungen sowie gesetzliche Grenzwerte und nimmt Schäden für Mensch und Umwelt billigend in Kauf. Dieses Verhalten ist grob fahrlässig.”
Unter den 25 im Januar getesteten, belasteten Produkten waren vier komplett identische Produkte zum ersten Test, wie etwa eine Outdoor-Jacke, die sogar erneut beim selben Händler verfügbar war; bei einer Sandale blieben neun weitere Riemenfarben im Angebot, alle mit dem gleichen nicht-konformen Fußbett, obwohl Greenpeace bereits eine Farbvariante im November 2025 beanstandet hatte. Die gefährlichen Chemikalien überschritten die EU-Grenzwerte teilweise extrem, bis um das 3115-fache. Der Verkauf dieser Produkte ist in der EU verboten. Shein ist als sehr große Online-Plattform nach dem Digital Services Act dazu verpflichtet, den Verkauf illegaler Produkte auf seiner Plattform zu unterbinden.
Gefährliche Chemikalien in Shein-Kleidung – Risiken für Mensch und Umwelt
Greenpeace konnte in der Kleidung, unter anderem auch Kinderkleidung, potenziell giftige Chemikalien oberhalb der EU-Grenzwerte nachweisen, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, darunter Krebs, Fortpflanzungsstörungen und Wachstumsstörungen bei Kindern sowie einer Schwächung des Immunsystems. Besonders betroffen sind Arbeiter:innen und die Umwelt in den Produktionsländern. Aber auch Verbraucher:innen kommen über Hautkontakt, Schweiß oder eingeatmete Fasern mit den Chemikalien in Berührung. Beim Waschen und Entsorgen gelangen die Stoffe weiter in Flüsse, Böden und in die Nahrungskette.
Durch das sogenannte Direct-to-Consumer-Prinzip liefert Shein die Ware direkt aus China an Verbraucher:innen in der EU. Rechtlich gelten damit die Käufer:innen als Importierende – und tragen formal die Verantwortung dafür, dass die Produkte den EU-Grenzwerten entsprechen. So entzieht sich Shein bislang der Haftung nach dem EU-Chemikalienrecht. Um solche Praktiken zu verhindern, muss das EU-Chemikalienrecht ohne Schlupflöcher für alle in der EU zu erwerbenden Produkte gelten. Anbieter, die wiederholt gegen EU-Vorgaben verstoßen, müssen sanktioniert und vom Markt ausgeschlossen werden. Außerdem fordert Greenpeace ein starkes Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild um umweltschonende Geschäftsmodelle am Markt zu etablieren.
„Der Fall Shein zeigt: Freiwillige Versprechen dieser Unternehmen sind zu wenig und nichts wert. Solange Fast-Fashion-Konzerne mit Wegwerfmode und gefährlichen Chemikalien Profite machen können, braucht es klare gesetzliche Grenzen”, sagt Moritz Jäger-Roschko. “Ein wirksames Anti-Fast-Fashion-Gesetz muss Überproduktion eindämmen, Werbung für Billigmode begrenzen und Hersteller endlich in die Verantwortung nehmen.“
Zum Recherche-Bericht: Schäm dich, Shein II
Fotomaterial finden Sie hier.
Videomaterial aus dem Labor finden Sie hier.
PM Greenpeace Deutschland e.V.