Das deutsche Gesundheitssystem ist anders als in anderen Staaten ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen geleitet. Starke Lobbyverbände der Medikamenten- und Medizintechnikhersteller und -händler, der Krankenhäuser, der Ärzte und Apotheker verteidigen mit allen Mitteln ihren Anteil am Markt. Das alle leben können und man trotzdem sparen kann, will ich jetzt anhand einiger Beispiele aufzeigen.
- Chronisch Kranke müssen in der Regel täglich die gleichen Medikamente einnehmen. Für diese Medikamente benötigen sie Rezepte, je nach Packungsgröße und Verbrauch oft jeden Monat. Hierfür müssen sie i.d.R. persönlich zu ihrem (Haus-) Arzt und müssen ihre Krankenkassenkarte vorlegen. Sie bekommen ein Rezept, mit dem sie dann zu ihrer Apotheke gehen. Vorschlag: wer dauerhaft ein Medikament einnehmen muss benötigt nur noch einmal im Jahr ein Rezept, dass er immer wieder in der Apotheke vorlegen kann.
- Rezepte machen Medikamente unnötig teuer. Erstens das Honorar für den Arzt (für den Patienten auch noch die Fahrt zum Arzt), dann das Honorar für die Apotheke (9,50 EUR je Medikament). Aus rezeptpflichtige Medikamente sind viel teurer da nur wenige zertifizierte Hersteller und Importeure zur Verfügung stehen, die die Preise, da begrenzt, relativ hoch ansetzen können. Im Ausland sind sehr viel mehr Arzneimittel oder sogar fast alle frei verkäuflich. Die Apotheken können über entsprechende Verbünde weltweit die günstigsten Medikamente einkaufen. Beispiel: ein gängiges Herzmedikament kosten in Deutschland über 100 EUR, im Senegal unter 10 EUR. Gleicher Hersteller in Indien! Vorschlag: außer Drogen, gefährlichen oder besonders teuren (Krebs-) Medikamenten kann man alle Medikamente rezeptfrei stellen. Die Kosten trägt der Patient, was in der Regel nicht teurer ist als der Arztbesuch und die sowieso zu bezahlende Pauschale von mind. 5,00 EUR. Dazu könnten die Krankenkassen ihren Beitrag erheblich senken, da ein Großteil ihrer Ausgaben auf Medikamente entfallen.
- Verwaltungskosten machen heute nach Angaben von Ärzten bis zu 50% ihrer Arbeitszeit aus. Mit dem Wegfall von zu mindestens teilweisen Auflagen wie der beschriebenen Rezepten entfallen auch die Verwaltungs- sprich Abrechnungskosten für den Hausarzt. Er kann sich mehr auf die Behandlung der Patienten konzentrieren und ihnen und ihren Krankheiten mehr Zeit widmen. Vorschlag: neben diesen beschriebenen Verwaltungskosten sollte auch die Erhebung von allgemeinen Daten (für den Staat) auf ein Minimum beschränkt werden. Nach Auskunft einer Krankenkasse entfallen 50 % aller Ausgaben auf Verwaltungsausgaben.
- Die gesetzlichen Vorgaben bzw. die Vorgaben der verschiedenen Krankenkassen behindern die sinnvolle Vorgabe von Präventionsmaßnahmen. Vorschlag: Krankenkassen sollten verpflichtet werden, sinnvolle Präventionsmaßnahmen selber anzubieten (AOK) oder zu bezuschussen (Sportvereine). Zudem sollten ambulante Rehakurse vor Ort mehr angeboten und gefördert werden. Ziel ist, damit stationäre Rehamaßnahmen zu beschränken.
- Krankschreibungen sind zurzeit ein vieldiskutiertes Thema. Dabei dienen Krankschreibungen in erster Linie dem Arbeitgeber, der dadurch besser planen kann, wann ein Arbeitnehmer voraussichtlich wieder gesund ist. Entfällt die Krankschreibung ab dem ersten Tag und damit auch die Zahlung des Arbeitgebers, ist der Arbeitnehmer ggf. auch nicht mehr verpflichtet, seine Abwesenheit vom Arbeitsplatz und seine voraussichtliche Rückkehr dem Arbeitgeber mitzuteilen. In anderen Ländern ist es so: der Arbeitnehmer bekommt nur seine Arbeitsleistung bezahlt. Kommt er zur Arbeit, bekommt er Geld, wen nicht, dann kein Geld. Eine Verpflichtung sich abzumelden gibt es gesetzlich nicht. Der Arbeitnehmer kann sich ggf. entsprechend versichern. Der Arbeitgeber weiß aber nie, wie viele Arbeitnehmer ihm zur Verfügung stehen. Vorschlag: Der Arbeitgeber hat es weitgehend in der Hand, wie oft und wie lange Arbeitnehmer krank sind. Eine gute Gesundheitsvorsorge, ein gutes Betriebsklima und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie (Betriebsarzt, Gesundheitsangebote, Betriebskindergarten) führen nachweißlich zu weniger Fehlzeiten und das bisherige System der Krankschreibungen kann beibehalten werden.
- Es wird diskutiert, Leistungen der Zahnmedizin weitestgehend aus den Verpflichtungen der Krankenkassen herauszunehmen, sprich: die Patienten sollen die Zahlbehandlung selbst bezahlen. Vorschlag: 1. Zahnärzte dürfen Zahnersatz frei auf dem Weltmarkt einkaufen, dies senkt die Preise für Zahnersatz erheblich. 2. Die Krankenkassen übernehmen auch Zahnbehandlungen im Ausland. Diese sind oft erheblich günstiger als in Deutschland. Einen Qualitätsunterschied gibt es in der Regel nicht.
- Krankenhäuser klagen über den Patientenzulauf in der Notaufnahme. Diese sind oft medizinisch nicht nötig oder dringend und tagsüber könnten sie auch durch Hausärzte versorgt werden. Vorschlag: Alle Patienten, die nicht ambulant operativ oder internistisch behandelt bzw. nicht stationär aufgenommen werden, zahlen eine Pauschale von 20,00 EUR.
- In Deutschland wird mehr operiert als in anderen Ländern. Als Beispiel kann hier die Knieoperation gelten. Medizinisch oft ohne Erfolg, da die Schmerzen und/oder Beeinträchtigungen bleiben und oft nicht nötig, da durch konservative Behandlungsmethoden und Vorsorgemaßnahmen oft auf eine Behandlung verzichtet werden kann. Grund sind hier die überaus lukrativen Vergütungen der Operationen durch die Krankenkassen. Vorschlag: siehe Punkt 4.: durch sinnvolle Präventionsmaßnahmen können viele Operationen verhindert werden. Bei konsequentem ambulanten Rehasport kann z.B. eine Knieoperation fast immer verhindert werden.
- Das deutsche System der gesetzlichen Krankenkassen hat sich überholt. Es gibt kaum noch signifikante Unterschiede im Leistungsspektrum der Krankenkassen. Krankenkassen, die einen Gewinn erwirtschaften, müssen diesen über einen vorgeschriebenen Ausgleich an defizitäre Krankenkassen abgeben. Zudem hat jede Krankenkasse ihr eigenes Verwaltungspersonal. Vorschlag: Es bedarf nur noch eine gesetzlichen Krankenkasse für alle Bürger, die sich nicht privat versichern wollen. Die Versicherung gliedert sich in Baukästen, aus denen der Bürger frei wählen kann. Z.B. auch nur Krankenhaus, oder auch umfassend. Mit und ohne Zahnarzt, Brille, Auslandsschutz (Auslandskrankenversicherung) usw. Der Arbeitgeber gibt, wie heute, einen prozentualen Zuschuss zur gesetzlichen Versicherung, unabhängig davon, wie der Arbeitnehmer sich versichern lässt. Dadurch entfallen viel private, heute oft erforderliche private Zusatzversicherungen.
- Heute müssen sich private Krankenkassen oft auch am Bau oder der Ausstattung von Krankenhäusern beteiligen. Private Krankenkassen müssen dies nicht. Auch müssen die gesetzlich Versicherten oft für Leistungen aufkommen, die nicht zur „Solidargemeinschaft“ gehören. Vorschlag: Wenn der Staat von den gesetzlichen Krankenkassen Leistungen fordert, z. B. für Bürger, die nicht selber ihren Beitrag zahlen, dann muss der Staat auch diese Kosten tragen. Wenn der Staat besondere Leistungen für Beitragszahler fordert, z.B. Lohnfortzahlung bei Schwangerschaft, dann muss auch hier der Staat dafür aufkommen. Auch die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen ist eine staatlich gewollte Leistung. Dieses überfordert aber zunehmend die Solidargemeinschaft.
- Heute gibt es vielfältige Schlupflöcher, um seinen eigenen Beitrag zur Krankenkasse möglichst gering zu halten. Z.B. eigene Firma als eingetragene Gesellschaft. Hier ist man selbst als Eigentümer nur zum z.B. Mindestlohn beschäftigt. Die Ehefrau ebenfalls oder sogar gar nicht, obwohl sie ihrem Ehemann bei der Arbeit „hilft“. Als Ersatz lässt man sich dann den Gewinn am Jahresende steuerbegünstigt und krankenkassenfrei auszahlen. Oder man vermietet Büro- oder Lagerräume im eigenen Haus an die Firma. Die Mieteinnahmen sind ebenfalls frei von Krankenkassenbeiträgen. Vorschlag: auf alle privaten steuerlichen Einkünften sind Krankenkassenbeiträge.
Ich bin sicher, durch die aufgezeigten Maßnahmen könnten die Krankenkassenbeiträge deutlich günstiger und vor allem auch gerechter werden.
Allerdings werde ich sicher hunderte Zuschriften bekommen (von Lobbyisten) die mir wortreich erklären, warum dass alles nicht möglich ist. Aber trotzdem, ich wollte es mal aufgeschrieben haben.
Joachim Abel