Fachverband Biogas präsentiert aktuelle Branchenzahlen

Spätestens seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ist Biogas in aller Munde. Doch was kann der Energieträger tatsächlich leisten? Jetzt und in Zukunft? Wie viele Anlagen mit welcher Kapazität stehen in Deutschland? Passend zu diesen aktuellen Fragen veröffentlicht der Fachverband Biogas seine über das letzte Jahr erhobenen Recherchen.

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz präsentiert der Fachverband Biogas e.V. seine aktuellen Branchenzahlen, die erstmals in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut IEE erhoben wurden. Als Grundlage dienten die Daten aus dem Marktstammdatenregister, die mit den „EEG-Bewegungsdaten“ verschnitten und ausgewertet wurden – und dadurch sehr viel umfangreicher und präziser sind als in den vergangenen Jahren.

Insgesamt gab es demnach Ende 2025 in Deutschland 9.315 Biogasanlagen, die vor Ort verstromen, und 290 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten. In der Summe also 9.605 Anlagen.

Zunahme an installierter Leistung

Die Vor-Ort-Verstromungsanlagen haben zusammen eine installierte elektrische Leistung von 6.816 Megawatt (MW) bei 3.316 MW Bemessungsleistung. Die Differenz der beiden Zahlen (3.500 MW) ergibt die Überbauung bzw. Flexibilisierung, die für die bedarfsgerechte Stromerzeugung relevant ist.

Auffällig ist, dass sich die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen weiter sehr positiv entwickelt hat. „Diese Tendenz zeigt, dass die Biogasanlagen immer flexibler werden und dadurch eine immer wichtigere Rolle für das Stromnetz spielen, was sowohl politisch als auch gesellschaftlich gefordert wird“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Thomas Karle.

Insgesamt wurden im letzten Jahr 29 Terawattstunden (TWh) Biogasstrom erzeugt, was dem Bedarf von 8,8 Mio. Haushalten entspricht.

Wärmeerzeugung – häufig übersehen

Die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmemenge lag 2025 bei 32,3 TWh, wovon laut Umfrage unter den Anlagenbetreibern 18,7 TWh außerhalb der Biogasanlage genutzt wurden, also in Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Industrieprozessen o.ä. Diese Wärmemenge entspricht dem jährlichen Bedarf von 1,4 Mio. Haushalten. „Diese Leistung wird in der aktuellen Diskussion um das Potenzial von Biogas häufig übersehen“, bedauert Karle. „Jede Kilowattstunde Biogaswärme vermeidet potenziell eine Kilowattstunde Erdöl und verringert den Bedarf an Erdgas.“

Biogasaufbereitung immer wichtiger

Signifikant an Bedeutung gewinnt die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan. Ende 2025 gab es in Deutschland 290 Biomethananlagen, die zusammen 12,8 TWh erzeugt haben. Eine Steigerung auf 14,5 TWh wäre problemlos möglich. Zusammen mit dem aktuell importierten Biomethan in Höhe von 3,5 TWh könnten kurzfristig 16,3 TWh Biomethan genutzt werden, was 6,3% des Erdgasverbrauchs für Wohnungen entspricht und damit relevant wäre für die „Biotreppe“ bzw. die Grüngasquote des Gebäudemodernisierungsgesetzes.

Der gesamte Biogasanlagen-Park (Vor-Ort-Verstromung + Biogasaufbereitung) beläuft sich auf 9.605 Anlagen, die zusammen über 80,6 TWh Energie erzeugen. Dies entspricht gut einem Drittel der gesamten in Europa produzierten Menge.

Wirtschaftliche Bedeutung

„Wir müssen allerdings aufpassen, dass wir diese Vorreiterrolle nicht leichtfertig auf’s Spiel setzen“, mahnt Vizepräsident Christoph Spurk. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen 4 Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen – und sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess völlig verweigere. „Das schadet unserem Industriezweig“, sagt Spurk, und ergänzt: „Wir reden hier immerhin von einem Gesamtumsatz in Höhe von 8 Mrd. Euro – inklusive wachsendem Auslandmarkt sogar von 9,6 Milliarden.“ 67.300 Arbeitsplätze, v.a. im ländlichen Raum, hängen direkt oder indirekt an der Biogasnutzung.

Verbandspräsident Karle resümiert: „Mit dieser neuen Datenbasis können wir nun sehr konkret beziffern, welchen Beitrag Biogasanlagen leisten. Dieses Potenzial gilt es, so sinnvoll wie möglich einzusetzen und so gut wie möglich auszubauen.“

PM  Fachverband BIOGAS e.V.

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