- Tendenziell positiver Blick auf die Konjunktur von Iran-Krieg bedroht
- Zu wenig betriebliche Investitionen für anstehende Herausforderungen, auch politischer Rahmen entscheidend
- Benner: “Bundesregierung muss jetzt alles tun, um Folgen des Iran-Kriegs abzumildern”
Noch kurz vor Ausbruch des Iran-Kriegs war der Blick der Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter in den Betrieben auf die Konjunkturaussichten so positiv, wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Das zeigt die Betriebsrätebefragung der IG Metall aus dem März 2026. Die unsichere geopolitische Lage droht diese Stimmungsaufhellung nun wieder zunichtezumachen.
„Die Bundesregierung muss jetzt alles tun, um die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs abzumildern“, fordert Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. „Insbesondere die steigenden Energiekosten dürfen Aufschwung und Arbeitsplätze nicht gefährden. Jeder öffentliche Euro, der Kosten dämpft, Wachstum stützt und Beschäftigung fördert, ist in dieser Situation gut investiertes Geld.“
Neben den leicht positiven Konjunkturaussichten zeigt die Befragung auch einen festgestellten Rückgang der Kurzarbeit durch die Betriebsrätinnen und Betriebsräte. Dringenden Handlungsbedarf sehen sie trotzdem: Selbst vor dem Iran-Krieg waren laut der Befragten die Investitionen ihrer Unternehmen am Standort zu gering, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.
Für die niedrigen Investitionen sehen die Befragungsteilnehmer drei konkrete politische Ursachen:
- unklare politische und rechtliche Rahmenbedingungen,
- zu hohe Energiepreise,
- langsame oder komplizierte Genehmigungsverfahren.
Entsprechend groß ist die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung: 86 Prozent finden, dass die Regierung zu wenig tut, um den Produktionsstandort Deutschland zu erhalten.
Die Antworten, die die Politik darauf geben muss, sind für die Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter deutlich: Energiepreise sofort runter, Verfahren verantwortungsvoll beschleunigen und Bürokratie sinnvoll reduzieren. Doch dabei nehmen die Befragten nicht nur die Regierung in die Pflicht. Denn auch in den Unternehmen selbst finden fast zwei Drittel der Betriebsräte, sind die Entscheidungs- und Veränderungsprozesse zu langsam.
Gewerkschaftschefin Benner sagt dazu: „Ja, wir brauchen Bürokratieabbau in der öffentlichen Verwaltung und Rahmenbedingungen, die nicht über Nacht gekippt werden. Ein Blick in die Unternehmensrealität zeigt aber: Auch hier leiden Beschäftigte unter zu bürokratischen internen Prozessen, mehr als zwei Drittel sagen das in unserer Befragung! Die Forderung nach Offenheit und Flexibilität schließt also die starren Hierarchien und umständlichen Managementstrukturen vieler Unternehmen mit ein.”
Die IG Metall hat in ihrer Initiative für Arbeit und Aufschwung klare Bereitschaft signalisiert, in den Betrieben vor Ort das Thema schnellerer Entscheidungswege umgehend zu bearbeiten. Gleiches gilt für die Debatte um den Krankenstand, zu dem die Gewerkschaft eine “Offensive Gesundheitspolitik” angekündigt hat.
Die Betriebsrätinnen und Betriebsräte beobachten ebenfalls den Krankenstand im Betrieb. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Betriebsräte führen diesen auf eine erhöhte psychische Belastung und arbeitsbedingte Stressfaktoren zurück.
Dieser Herausforderung wird durch einen schwächeren Sozialstaat nicht begegnet, sondern sie wird eher verstärkt.
Auch die Befragten haben diese Scheindebatten satt. 94 Prozent lehnen es ab, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, die die Befragten als betriebliche Akteure besonders gut einschätzen können, bieten hier schon ausreichend Spielraum.
Christiane Benner: „Die Befragung zeigt: Die Zeit zum Handeln ist jetzt! Das gilt für Unternehmen und Politik gleichermaßen. Rahmenbedingungen schaffen, die die Wirtschaft schützen und sichern! In den Industriestandort Deutschland und in die Beschäftigten hier investieren! Ablenkungsmanöver wie Scheindebatten über Blaumacher oder Arbeitszeit ohne Grenzen braucht kein Mensch. Weder sichern sie Arbeitsplätze, noch schaffen sie Innovationen.“
Weitere Informationen zur Befragung:
Die Betriebsrätebefragung der IG Metall findet seit einigen Jahren halbjährlich statt. Der aktuelle Befragungszeitraum erstreckte sich vom 16. Februar bis 06. März 2026. Es beteiligten sich bundesweit Arbeitnehmervertretungen aus 2.452 Betrieben. Diese Betriebe repräsentieren insgesamt über 1,3 Millionen Beschäftigte.
PM IG Metal