Resilienz statt Sirenen

Die Forderung des Bundesinnenministers Alexander Dobrindt, Zivilschutz im Schulunterricht zu verankern, kommentiert Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE):

„Man lernt im Tun, nicht in einer Doppelstunde Katastrophenschutz. Das müssen wir klar sagen: Dieses Wissen aus einer Projektstunde verankert sich nicht und wird auch nicht in die Familie getragen. Die Broschüren landen im Papierkorb. Wer Kinder und Jugendliche auf den Ernstfall vorbereiten möchte, braucht eine Schule, die sie darauf ganzheitlich vorbereitet. Kinder brauchen starke Köpfe, keine Panik-Unterrichtsstunden.“

Er fordert daher, auch mit Blick auf die aktuellen Ergebnisse aus dem Deutschen Schulbarometer der Telekom Stiftung, Resilienz, Gesundheits-kompetenz und Krisenbewusstsein fächerübergreifend zu fördern:

„Lehrkräfte haben die Möglichkeit und das notwendige Gespür, wie sie mit ihren Schülerinnen und Schülern über belastende Themen sprechen und sie für das Verhalten in Krise wappnen können. Kein Unterrichtsmaterial und keine Doppelstunde Zivilschutz können erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Rest des Schuljahres nicht sowieso von Empathie und Selbstwirksamkeit geprägt ist. Ziel ist doch, junge Menschen mit geeigneten Methoden innerhalb des Schullebens zu mündigen, verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln, die Risiken realistisch einschätzen, Ängste thematisieren und demokratisch handeln. Praktische Alltagskompetenzen wie Erste Hilfe oder richtiges Verhalten in Notlagen sind wichtig – aber sie müssen in eine Schule eingebettet werden, die auf Vertrauen, Partizipation und eine starke Schulkultur setzt.“

Der VBE fordert:

  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit zur ganzheitlichen Förderung von Schülerinnen und Schülern
  • Zeit für demokratische Prozesse und den Austausch im Klassenzimmer sowie ehrenamtliches Engagement
  • Geschichte erlebbar machen, zum Beispiel Gespräche mit Zeitzeugen
  • Partizipation sichern – auch über das Mindestmaß der in Schulgesetzen beschriebenen Gremien hinaus
  • Gesundheit der Schulbeteiligten priorisieren: Schulgesundheitsfachkräfte flächendeckend und bedarfsgerecht etablieren, Präventionsprogramme integrieren, Supervision für Lehrkräfte, TALIS umsetzen und daraus lernen

 

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

 

PM VBE Verband Bildung und Erziehung

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