Der Hamburg Startup Monitor 2026, den die Handelskammer Hamburg und der Startup-Verband heute gemeinsam veröffentlicht haben, zeigt: Die Hansestadt bleibt einer der wichtigsten Startup-Standorte in Deutschland, steht aber gleichzeitig an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung. Genau jetzt stellt sich die Frage, ob Hamburg zu einem erfolgreichen Scaleup-Ökosystem wie Berlin und München entwickelt werden kann oder ob die Stadt diese wichtige Wachstumschance für die lokale Wirtschaft vergibt.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- 1.540 aktive Startups: Hamburg ist nach Berlin und München weiterhin das drittgrößte Startup-Ökosystem in Deutschland.
- Gründungsdynamik steigt: 203 neue Startups wurden 2025 gegründet – ein Plus von 26 % gegenüber dem Vorjahr.
- GreenTech als Profil: 22 % der Startups lassen sich dem GreenTech-Sektor zuordnen (deutschlandweit 16 %).
- Kapital bleibt Herausforderung: Seit 2015 flossen 3,3 Mrd. Euro in Hamburger Startups – deutlich weniger als in Berlin (38 Mrd.) oder München (12 Mrd.).
- Hoher Bedarf an Vernetzung: 66 % der Startups wünschen sich mehr Vor-Ort-Formate für Austausch und Kooperation.
„Hamburg verfügt über ein starkes und vielfältiges Startup-Ökosystem mit internationaler Ausstrahlung“, fasst Dr. Miriam Putz, Leiterin Innovation und neue Märkte der Handelskammer Hamburg zusammen. „Die positiven Entwicklungen bei Gründungen und in Zukunftsbranchen wie GreenTech unterstreichen das Potenzial. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu Wachstumskapital eine zentrale Herausforderung, um den Anschluss an München und Berlin nicht zu verlieren.“
Internationalität und GreenTech als Profil des Standorts
Hamburger Gründer:innen zeichnen sich durch eine hohe internationale Prägung aus: 21 % der Hamburger Startup-Gründer:innen sind im Ausland geboren (Deutschland: 13 %). Die Hansestadt ist auch für internationale Talente insgesamt sehr attraktiv. 49 % der Hamburger Startups sehen die Stadt hier gut aufgestellt (im Bundesschnitt: 40 %). Trotzdem können Hamburger Startups beim Thema Internationalität noch aufholen: In 40 % der Unternehmen ist Englisch Arbeitssprache, während es in Berlin 67 % sind.
Ein klarer Schwerpunkt des Hamburger Startup-Ökosystems liegt im Bereich GreenTech. Mehr als jedes fünfte Startup (22 %) in Hamburg ist diesem Bereich zuzuordnen – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (16 %). Und mit dem Unicorn 1KOMMA5° kommt eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten im Sektor aus der Hansestadt. Dies betont das Potenzial Hamburgs als wichtigem Standort bei der ökologischen Transformation und damit in einem der zentralen Zukunftsfelder.
Kapital bleibt Herausforderung in der Hansestadt
Beim Thema Wachstum zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar hat knapp die Hälfte der Hamburger Startups bereits externes Kapital aufgenommen (44 %). Insbesondere bei Venture-Capital-Finanzierungen bleibt Hamburg (23%) jedoch hinter den Hotspots Berlin (43 %) und München (37 %) zurück. Während München und Hamburg vor rund zehn Jahren noch auf einem ähnlichen Investmentniveau lagen, ist der bayerische Standort zuletzt deutlich davongezogen. Seit 2015 wurden rund 12 Milliarden Euro in Münchner Startups investiert – in Hamburg dagegen nur etwas mehr als 3 Milliarden.
„Hamburg verfügt über ein starkes Fundament mit innovativen Startups, exzellenten Talenten und einer leistungsfähigen Wirtschaft. Der Blick nach Berlin und München zeigt aber auch, wie Städte wirtschaftlich profitieren, wenn aus Startups erfolgreiche Scaleups entstehen. Um hier aufzuschließen, müssen jetzt alle Hamburger Akteure an einem Strang ziehen und alles daransetzen, mehr privates Kapital für die Wachstumsphase bereitzustellen und anzuziehen“, sagt Sebastian Pollok, Vorstand Startup-Verband und Founding Partner Visionaries Club & Visionaries Tomorrow.
Hamburger Ökosystem gezielt weiterentwickeln
Neben dem Zugang zu Wachstumskapital zeigt der Hamburg Startup Monitor weitere zentrale Entwicklungsfelder für den Standort. Besonders beim Transfer von Forschung in erfolgreiche Unternehmen liegt für Hamburg großes Potenzial. Bisher sind Hamburger Gründer:innen mit der Nähe zu Hochschulen seltener zufrieden als bundesweit (74 % vs. 82 %). Mit der neuen Startup Factory „Impossible Founders“ entsteht aktuell eine Struktur, die Ausgründungen aus Hochschulen stärken und insbesondere DeepTech-Startups bessere Bedingungen für Skalierung bieten soll. Darüber hinaus muss Transfer aber für alle Akteure an Bedeutung in der Hansestadt gewinnen.
Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die langfristige Finanzierung von Innovation. Mit der Idee einer Hamburger Zukunftsstiftung wird derzeit ein Instrument diskutiert, das Innovationsfinanzierung langfristig stärken und von Haushalts- und Wahlzyklen entkoppeln soll. „Hamburg verfügt über exzellente Forschung, starke Unternehmen und eine dynamische Gründungsszene. Damit aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen entstehen, braucht es verlässliche Strukturen für die Innovationsfinanzierung. Eine Zukunftsstiftung kann einen dauerhaften Rahmen schaffen, gezielt privates Kapital mobilisieren und Innovation entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken“, betont Dr. Miriam Putz von der Handelskammer.
Über den Hamburg Startup Monitor 2026
Der Hamburg Startup Monitor 2026 analysiert die Entwicklung des Hamburger Startup-Ökosystems anhand aktueller Daten zu Gründungsdynamik, Branchen, Internationalität, Wachstum und Standortfaktoren. Grundlage sind unter anderem Auswertungen des Deutschen Startup Monitors sowie weitere Datenanalysen zum Startup-Standort Hamburg. Die Studie liefert fundierte Einblicke für Politik, Wirtschaft und Ökosystem-Akteure und zeigt auf, wo der Standort bereits stark aufgestellt ist und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.
Die gesamte Studie gibt es hier zum Download.
PM Startup-Verband