„Die Syrer verdienen eine Chance“ – Rede von Außenminister Wadephul zum deutsch-syrischen Wirtschaftsroundtable im Auswärtigen Amt

Vielen herzlichen Dank Ihnen allen, dass Sie heute Morgen zu uns gekommen sind.

Vor gut einer Woche haben wir hier im Ministerium gefeiert.

Und zwar den 75. Geburtstag der Wiedergründung des Auswärtigen Amtes.

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges, nach 12 Jahren menschenverachtender und brutaler Diktatur, war diese Wiedergründung keine Selbstverständlichkeit und sie war nicht einfach.

Und dieser Gedanke ist auch für unser Zusammentreffen heute wichtig:

Deutschland weiß, was es bedeutet, wenn sich aus einer Diktatur eine neue Gesellschaft formen muss, wenn diese Gesellschaft noch durch viele Narben und Risse geprägt ist.

Syrien litt bis noch vor kurzem unter einer brutalen Diktatur und einem daraus resultierenden Bürgerkrieg.

Die Aufgabe des heutigen Syriens, eine Staatlichkeit zu entwickeln, die Sicherheit, Freiheit und ein Leben in Würde garantieren kann, ist immens.

Viele Syrerinnen und Syrer mussten unter dem Druck von Diktatur und Bürgerkrieg ihre Heimat verlassen.

Über eine Million Menschen aus Syrien fanden bei uns Zuflucht. Für viele ist Deutschland mittlerweile eine zweite Heimat. Neben ihrer ersten Heimat – die bleibt Syrien. Ihr Land.

Ich will Ihnen, Herr Präsident, heute sagen: Wir stehen an der Seite Syriens.

Die Syrer verdienen eine Chance. Und wir möchten helfen, dass diese Chance gut genutzt wird.

Ich erinnere mich gut an die vielen Gespräche mit Ihnen, lieber Herr Kollege Shaibani, – und unser Treffen in Damaskus, sehr geehrter Herr Präsident.

Von Anfang an haben Sie klar gemacht: Die syrische Regierung ist entschlossen, die Lage der Menschen im Land zu verbessern.

Die Weltlage macht es Ihnen nicht einfach.

Die Lage in Ihrer Nachbarschaft schon gar nicht.

Aber Ihre Regierung hat es geschafft, dass der derzeitige Krieg nicht auf syrisches Territorium übergegriffen hat. Das ist ein Erfolg, ein großer Erfolg.

Ich sehe da viele Schritte, die mich zuversichtlich stimmen.

Sie, verehrter Herr Präsident, haben es ja gerade zum Nowruz-Fest gesagt, und ich zitiere Sie hier einmal: „Vielfalt ist die große Stärke unseres Landes.“

Ein wahrer, ein richtiger Satz!

Nutzen Sie diese Stärke!

Gehen Sie weiter den Weg des Ausgleichs, der Aufarbeitung, der Versöhnung.

Damit Sie das tun können, braucht es eine Grundvoraussetzung.

Das ist eine funktionierende Wirtschaft.

Wichtige Prozesse dazu haben Sie bereits auf den Weg gebracht. Ich denke da an die Zusammenarbeit mit der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds.

Das ist wichtig, da der Wiederaufbau nur mit internationaler und multilateraler Hilfe und Koordinierung gelingen kann.

Wir treffen uns heute hier, weil wir bei der wirtschaftlichen Entwicklung Ihres Landes auch eine starke Rolle für Deutschland sehen.

Denn mittel- und langfristig sind die Chancen des Miteinanders des wirtschaftlichen Austausches unserer beiden Länder enorm.

Syrien hat ein großes Potential, sich als Teil der europäischen Nachbarschaft des gemeinsamen Wirtschaftsraums zu entwickeln. Als Markt, aber auch als Produzent und vor allem als Partner.

Syrien ist auch ein strategisches Drehkreuz zwischen Europa, den Golfstaaten und dem Indo-Pazifik.

Überall dort, wo deutsche Unternehmen zum Thema Syrien Unterstützung benötigen, stehen wir gerne bereit:

mit unserer Botschaft vor Ort, als Auswärtiges Amt, als Bundesregierung.

Wir wollen die historische Chance, die sich Syrien bietet, gemeinsam nutzen.

Vielen Dank.

 

PM Auswärtiges Amt

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