Der Fachverband Biogas begrüßt die Ergebnisse des heutigen Süddeutschen Biogasgipfels in Ulm und die Verabschiedung der „Ulmer Erklärung“ durch die Landwirtschaftsministerien aus Baden-Württemberg und Bayern. Das gemeinsame Auftreten beider Länder ist ein wichtiges Signal für die Zukunft der Biogasbranche und unterstreicht die hohe Relevanz von Biogas für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung.
„Vor dem Hintergrund volatiler Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und der anhaltenden Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten muss die Stärkung unserer verlässlichen heimischen Energiequellen wie Biogas in energiepolitischen Entscheidungen einer neuen Bewertung unterzogen werden“, erklärt Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas. Umso wichtiger sei daher das heutige gemeinsame Bekenntnis aus Baden-Württemberg und Bayern. Die Länder machen deutlich, dass Biogas als flexible, speicherbare und heimische Energiequelle unverzichtbar für Versorgungssicherheit und Resilienz ist. Auch diese Systemdienstleistungen müssen laut Karle angemessen eingepreist werden.
Zugleich verweist der Fachverband Biogas darauf, dass der jüngst geleakte Referentenentwurf zum EEG hinter den Erwartungen der Branche und den Zusagen des Koalitionsvertrags zurückbleibt. Insbesondere die vorgesehenen Ausschreibungsvolumina von 500 Megawatt pro Jahr bis 2032 reichen aus Sicht des Verbandes nicht aus, um das Flexibilitätspotenzial der Biomasse wirksam zu erschließen und bestehende Anlagen abzusichern. Der Verband fordert in seinem Positionspapier zum EEG ein Ausschreibungsvolumen von mindesten 2500 Megawatt pro Jahr.
„Zwischen den Ankündigungen im Koalitionsvertrag und dem aktuellen EEG-Entwurf klafft weiterhin eine erhebliche Lücke“, so Karle weiter. „Es wurde sich darauf geeinigt, das Flexibilitätspotenzial der Biomasse konsequent zu heben, bestehende Deckelungen zu überprüfen und insbesondere kleineren sowie wärmegeführten Biogasanlagen eine Zukunft zu geben. Im aktuellen Entwurf findet sich davon bislang nur wenig wieder.“
Gefordert wird zudem die Abschaffung des fachlich nicht gerechtfertigten Maisdeckels im EEG, eine Verlängerung des zweiten Vergütungszeitraums von 12 auf 15 Jahre zur Absicherung notwendiger Investitionen sowie eine Anhebung des Flexibilitätszuschlags auf mindestens 130 Euro/kW, um Inflation, gestiegene Finanzierungskosten und den weiteren Ausbau flexibler Biogasanlagen abzubilden.
Der Fachverband Biogas appelliert an die Bundesregierung, die Forderungen der Ulmer Erklärung und die Signale aus den Ländern im weiteren Gesetzgebungsverfahren ernst zu nehmen und den angekündigten politischen Kurswechsel für Bioenergie nun auch regulatorisch umzusetzen. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen kann das Potenzial der Biogasbranche für ein resilientes, bezahlbares und klimaneutrales Energiesystem voll ausgeschöpft werden.
Der Fachverband Biogas e.V. vertritt die Biogasbranche im Dachverband der Erneuerbaren Energien, dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e.V. Mit über 4.700 Mitgliedern ist er Europas größte Interessenvertretung der Biogasbranche. Der Fachverband Biogas e.V. setzt sich bundesweit ein für Hersteller und Anlagenbauer sowie landwirtschaftliche und industrielle Biogasanlagenbetreiber.