Aktuelle Studie: Unklare Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln – Intransparente Herkunftsangaben erschweren Kauf regionaler Produkte

  • Siegel-Dschungel bei der Herkunfts- und Regionalkennzeichnung birgt Potenzial für Verbrauchertäuschung
  • Studie zeigt: Verpackungen können falsche Herkunftserwartungen erzeugen
  • Verbraucherzentrale fordert verbindliche Regeln für Kennzeichnung von Herkunft und Regionalität

 

Regionale Wertschöpfung und kürzere Lieferketten tragen zu einer stabilen Lebensmittelversorgung bei und können das Vertrauen der Verbraucher:innen in die Herstellung von Lebensmitteln stärken. Damit Menschen bewusst regional einkaufen können, müssen Herkunftsangaben verlässlich sein. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Projekts Lebensmittelklarheit zeigt jedoch: Verpackungen können starke Erwartungen auslösen, die nicht zur tatsächlichen Herkunft des Produkts oder bestimmter Zutaten passen. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb klare und verständliche Regeln für Herkunfts- und Regionalangaben.

„Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. Das ist aber oft nicht leicht erkennbar. Wir brauchen endlich verbindliche, einheitliche Regeln für die Werbung mit regionaler Herkunft und eine verpflichtende Angabe des Herkunftslandes für alle Lebensmittel“, sagt Christiane Seidel, Leiterin Team Lebensmittel im Verbraucherzentrale Bundesverband.

Regionale Erzeugung und kürzere Lieferwege machen die Versorgung widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen. Wenn Wertschöpfung regional verankert ist, bestehen weniger Abhängigkeiten von globalen Transportketten oder Weltmarktpreisen. Gleichzeitig kann das Vertrauen der Verbraucher:innen steigen, wenn sie nachvollziehen können, woher ein Produkt stammt.

Herkunft beim Einkauf nicht leicht erkennbar

Laut Ernährungsreport 2025 ist Regionalität für viele Verbraucher:innen wichtig. Doch die tatsächliche Herkunft von verpackten Lebensmitteln im Supermarkt zu erkennen, ist mitunter schwer. Die Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Nur 15 Prozent der Befragten fällt es sehr oder eher leicht zu erkennen, woher die Zutaten für ein Produkt kommen. Begriffe wie „regional“, „aus der Region“ oder „aus der Heimat“ sind rechtlich nicht klar definiert. Eine Vielzahl an Siegeln, Bildern und Werbeaussagen kann die Orientierung zusätzlich erschweren.

Starke Wirkung von Farben, Sprache und Ortsnamen

Die Studie zeigt zudem, dass die Verpackungsgestaltung die Wahrnehmung deutlich beeinflusst: Auch implizite Herkunftsbezüge auf Lebensmittelverpackungen, wie fremdsprachige Texte, Landesfarben oder Ortsnamen, können bei Verbraucher:innen starke Erwartungen an die Herkunft eines Lebensmittels und dessen Zutaten auslösen. Zum Beispiel stieg die Erwartung, dass ein Espresso eher oder sehr wahrscheinlich „aus Italien“ stamme, von 21 Prozent auf 62 Prozent, sobald die Verpackung italienische Farben und Sprache zeigt. Auch Hinweise wie „hergestellt in…“ korrigieren eine solche Wahrnehmung nicht immer vollständig.

Verbraucherzentrale fordert klare Regeln

„Die aktuellen Vorgaben zur Herkunftskennzeichnung schützen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ausreichend vor Irreführungen. Die Menschen erwarten transparente Angaben, die informierte Kaufentscheidungen erleichtern. Klare Regeln stärken auch die Anbieter, die echte regionale Wertschöpfung leisten“, so Seidel.

Die Verbraucherzentrale fordert daher eine verpflichtende Kennzeichnung des Herkunftslandes für alle Lebensmittel in der EU. Das sollte auch für Hauptzutaten bei verarbeiteten Produkten gelten. Die Bundesregierung und die Bundesländer müssen für die Kennzeichnung und Bewerbung von Herkunft und Regionalität einheitliche, verbindliche und vergleichbare Regelungen schaffen, so die Verbraucherzentrale.

Methode

Bevölkerungsrepräsentative Onlinebefragung (5. – 12. Dezember 2025) von Zühlsdorf + Partner PartG im Auftrag des Projekts Lebensmittelklarheit. Basis: 2.286 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Statistische Fehlertoleranz: max. ± 2 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe. Hinweis: Die ausgewiesenen Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die gültigen Antworten (d. h. ohne von Befragten ausgelassene Fragen).

Über das Projekt Lebensmittelklarheit

Das Projekt Lebensmittelklarheit ist ein Gemeinschaftsangebot des Verbraucherzentrale Bundesverbands mit den Verbraucherzentralen und betreibt das Verbraucherportal

Lebensmittelklarheit.de. Es wird aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert.

PM Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

 

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