Appell an Landwirtschaftsminister Rainer: Mehr als 350 Tierärzte fordern Ende der tierquälerischen Anbindehaltung

Im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche in Berlin haben mehr als 350 Tierärzt:innen ein rasches und verbindliches Ende der tierquälerischen Anbindehaltung bei Rindern und Milchkühen gefordert. Die Praxis beschneide massiv die Bewegungsfreiheit der Tiere und führe nachweislich zu physischen und psychischen Belastungen, heißt es in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Die Anbindehaltung sei „aus tierärztlicher Sicht nicht vertretbar“.

„Ein Verbot der Anbindehaltung ist längst überfällig. Die Tiere können wichtige Verhaltensweisen nicht ausüben – das führt zu erheblichen, langanhaltenden Leiden und bedeutet einen Verstoß gegen §2 des Tierschutzgesetzes. Wer Tiere in ganzjähriger Anbindehaltung hält, macht sich also eindeutig strafbar“, erklärte Dr. Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte und einer der Erstunterzeichnerinnen des Briefes.

„Anstatt auf die betroffenen Landwirte zuzugehen und Lösungen zu entwickeln, wird ein Verbot der Anbindehaltung auf Bundesebene politisch blockiert. So lässt sich die Zukunft der Landwirtschaft nicht positiv gestalten“, sagte Dr. Kai Braunmiller, Leitender Veterinärdirektor der Stadt Bayreuth.

In Deutschland werden weiterhin etwa 1,1 Millionen Rinder – darunter fast eine halbe Million Milchkühe – in Anbindehaltung gehalten. Die Tiere leben auf engstem Raum angebunden und können sich kaum bewegen. Besonders betroffen ist Süddeutschland; in Bayern sitzen über die Hälfte der Betriebe mit Anbindehaltung, ein Großteil davon mit ganzjähriger Fixierung. Dabei leben Rinder eigentlich auf Weideflächen in sozialen Herden und laufen täglich mehrere Kilometer – in Anbindehaltung unmöglich. Tiermedizinische Studien zeigen zudem, dass Milchkühe, die im Stall fixiert sind, besonders häufig unter schmerzhaften Euterentzündungen leiden.

Die Tierärzt:innen forderten in dem offenen Brief einen „klaren gesetzlichen Rahmen mit realistischen Übergangsfristen und gezielten Förderprogrammen für tiergerechte Haltungsformen“. Dies sei notwendig, um Landwirt:innen Planungssicherheit zu geben und gleichzeitig das Tierwohl entscheidend zu verbessern.

Auch die Verbraucherorganisation foodwatch forderte ein Ende der Anbindehaltung. Zuletzt hatten mehr als 55.000 Menschen eine entsprechende Online-Petition an Alois Rainer unterzeichnet.

Kühe, die ihr ganzes Leben in Ketten gehalten werden und sich kaum bewegen können – damit muss Schluss sein. Die tierquälerische Kettenhaltung muss endlich verboten werden – ohne Wenn und Aber“, sagte Annemarie Botzki von foodwatch.

Die vorherige Bundesregierung hatte ein Verbot der Anbindehaltung geplant, durch das Ampel-Aus kam es jedoch nicht mehr zustande. Bundesagrarminister Alois Rainer hat der Abschaffung der Anbindehaltung bislang eine Absage erteilt.

Die jährlich stattfindende Grüne Woche ist die weltgrößte Verbrauchermesse für die Themen Ernährung und Landwirtschaft. 2026 läuft sie vom 16. bis zum 25. Januar auf dem Berliner
Messegelände.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

PM foodwatch e.V.

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