EU will PFAS-Pestizide dauerhaft erlauben – vor Agrarministerkonferenz: foodwatch warnt vor Folgen für Trinkwasser und Lebensmittel

  • „Omnibus“-Gesetzespaket: EU-Kommission will regelmäßige Risikoprüfungen für Pestizide streichen
  • Auch Wirkstoffe, die Ewigkeitschemikalien (PFAS) bilden, würden dadurch dauerhaft erlaubt
  • foodwatch warnt vor Belastung von Grundwasser und Lebensmitteln

 

foodwatch kritisiert Pläne der EU-Kommission, die regelmäßige Risikoprüfung von Pestiziden abzuschaffen. Auch Wirkstoffe mit PFAS-Risiko würden dadurch dauerhaft auf dem Markt bleiben, warnt die Verbraucherorganisation.

Der Kommissions-Vorschlag steht auch auf der Agenda der heute beginnenden Agrarministerkonferenz. foodwatch fordert die Agrarminister der Länder und die Bundesregierung auf, die Pläne klar abzulehnen. Die regelmäßigen Risikoprüfungen für Pestizide müssten verpflichtend bleiben. Wirkstoffe, die PFAS bilden, müssten grundsätzlich verboten werden, so foodwatch.

Eine aktuelle Auswertung von foodwatch zeigt: 28 in der EU zugelassene Pestizidwirkstoffe können PFAS-Abbauprodukte bilden. Diese sogenannten „Ewigkeitsgifte“ bauen sich nur langsam ab und können Böden und Grundwasser dauerhaft belasten. Trotzdem will die EU selbst für diese Wirkstoffe die vorgeschriebenen, turnusmäßigen Risikoprüfungen abschaffen. Die Folge: steigende Kosten für Wasserwerke – und eine Belastung von Umwelt und Lebensmitteln, die sich kaum noch rückgängig machen lässt.

„Die Pläne der EU-Kommission sind ein Freifahrtschein für ewige Chemikalien in unserem Essen und Wasser. Wenn Ewigkeitschemikalien einmal ins Grundwasser gelangen, verunreinigen sie es für Generationen. Pestizid-Konzerne wie BayerMonsanto machen Kasse – die Zeche zahlen andere: Landwirt:innen, die krank werden, Kommunen, die horrende Kosten für ihre Wasserwerke stemmen müssen und Verbraucher:innen, die PFAS-Rückständen im Essen schutzlos ausgeliefert sind“, sagte Annemarie Botzki von foodwatch.

Pestizide belasten Trinkwasser mit Ewigkeitschemikalien

Große Mengen PFAS gelangen auch über Pestizide in die Umwelt. Die PFAS-Eigenschaften machen die Ackergifte widerstandsfähiger und länger wirksam. Doch ihre Abbauprodukte (Metabolite) reichern sich dauerhaft in Böden und im Grundwasser an. Viele Pestizide enthalten eine extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung. Nach dem Sprühen auf dem Feld zerfallen die fluorierten Mittel unter anderem zu Trifluoressigsäure (TFA).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet TFA als „reproduktionstoxisch“ – es kann ungeborene Kinder im Mutterleib schädigen sowie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. TFA wurde bereits in Obst, Gemüse, Getreide, Wein und Trinkwasser nachgewiesen.

Besonders alarmierend: Selbst moderne Wasserwerke können PFAS nur mit großem technischem Aufwand entfernen. Prof. Dr. Matthias Maier von der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein sagte zum Beispiel gegenüber dem ZDF: „Technisch ist es praktisch nicht möglich, TFA aus dem Wasser herauszufiltern.“

Für TFA in Lebensmitteln gibt es derzeit keine festgelegten gesetzlichen Grenzwerte in der Europäischen Union.

„Omnibus“-Gesetzespaket: EU will bewährte Sicherheitsmechanismen abschaffen

Die geplante Lockerung der Pestizidregeln ist Teil eines größeren Gesetzespakets („Food and Feed Safety Simplification Omnibus“). Offiziell will die Europäische Kommission damit Bürokratie abbauen – tatsächlich jedoch würden wichtige Schutzstandards abgeschwächt. Bisher gilt: Pestizidwirkstoffe erhalten eine Zulassung für maximal fünfzehn Jahre. Vor jeder Verlängerung müssen Hersteller neue Daten zu Gesundheits- und Umweltrisiken vorlegen. Nur wenn Behörden die Stoffe weiterhin als sicher bewerten, dürfen sie im Einsatz bleiben.

Nach den Plänen der Kommission sollen Wirkstoffe künftig unbefristet zugelassen bleiben – ohne regelmäßige Neubewertung und ohne neue Sicherheitstests. Alle bereits zugelassenen Stoffe würden automatisch eine Dauererlaubnis erhalten.

Beispiel Flufenacet: PFAS-Pestizide künftig dauerhaft auf dem Markt?

Der Wirkstoff Flufenacet wurde 2025 vom Markt genommen, u.a. weil er das PFAS-Abbauprodukt TFA bildet. Diese Substanz ist extrem langlebig und bereits heute in Trinkwasser nachweisbar.

Mit den neuen EU-Regeln hätte ein Wirkstoff wie Flufenacet dauerhaft auf dem Markt bleiben können – ohne erneute Risikoprüfung.

Eine Analyse von foodwatch zeigt: Flufenacet ist kein Einzelfall. 28 in der EU zugelassene Pestizidwirkstoffe können sich möglicherweise zum PFAS-Metaboliten TFA abbauen. Ohne regelmäßige Neubewertung könnte solche Mittel künftig dennoch auf dem Markt bleiben.

Liste der 28 in der EU zugelassenen PFAS-Pestizide, die möglicherweise TFA bilden können

Beflubutamid

Cyflufenamid

Cyflumetofen

Diflufenican*

Flazasulfuron

Flonicamid*

Fluazifop-P

Fluazinam*

Fluometuron

Fluopicolide

Fluopyram*

Flurochloridone

Flutianil

Flutolanil

Isoxaflutole

lambda-Cyhalothrin

Mefentrifluconazole*

Oxathiapiprolin

Oxyfluorfen

Penoxsulam

Picolinafen

Prosulfuron

Pyroxsulam

Sulfoxaflor

tau-Fluvalinate*

Tefluthrin

Tembotrione

Trifloxystrobin

*wurden in Dänemark wegen TFA-Potenzial vom Markt genommen (siehe u.a.: https://dserver.bundes…83.pdf?utm)

Quellen und weiterführende Informationen:

PM foodwatch e.V.

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