Auch die Silvesternacht 2025 hat gezeigt, wie brüchig die öffentliche Sicherheit inzwischen geworden ist. In zahlreichen Städten wurden Polizei‑, Feuerwehr‑ und Rettungskräfte gezielt angegriffen – mit Feuerwerkskörpern, Signalmunition, Steinen und Hieb‑ und Stichwaffen. Was vielerorts als „Feierexzess“ verharmlost wird, war für die Einsatzkräfte eine hochgefährliche Lage, geprägt von Enthemmung, Gruppendynamik und bewusster Gewaltbereitschaft.
Besonders gefährlich ist die Enthemmung in großen Gruppen. Menschen, die im Alltag kaum auffallen, nutzen die Anonymität der Masse, um Aggressionen auszuleben – mit geringem Risiko, zur Verantwortung gezogen zu werden. Diese Dynamik stellt Einsatzkräfte vor Herausforderungen, die mit klassischen Vorstellungen von „öffentlicher Ordnung“ kaum noch vereinbar sind.
Gleichzeitig erleben viele Rettungsfachkräfte eine tiefe Frustration über die juristische Aufarbeitung solcher Taten. Urteile, die in keinem Verhältnis zur Schwere der Angriffe stehen, werden von Betroffenen als Missachtung ihrer Arbeit empfunden. Wenn ein gezielter Tritt in die Genitalien eines Rettungsdienstmitarbeiters mit einer Geldstrafe von 150 Euro geahndet wird, sendet das ein fatales Signal – an Täter wie an Einsatzkräfte.
Die Gewalt gegen Schutz‑ und Rettungskräfte ist kein Randphänomen und kein Problem einzelner Städte. Sie ist Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die dringend ernst genommen werden muss. Es braucht eine offene Debatte, klare politische Haltung und konsequente Maßnahmen, um diejenigen zu schützen, die täglich für die Sicherheit der Bevölkerung einstehen.
Diese Entwicklung ist ein Warnsignal. Wer sie ignoriert, riskiert, dass sich die Spirale der Gewalt weiterdreht – mit Folgen, die weit über eine Silvesternacht hinausreichen.
Alfred Brandner