Supermarkt-Apps: Rabatte im Tausch gegen Daten: Verbraucherzentrale veröffentlicht Bericht zu Supermarkt-Apps

  • Repräsentative Befragung: Große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) nutzt Supermarkt-Apps
  • Zwei Drittel (67 Prozent) der Supermarkt-App-Nutzer:innen haben schon einmal zusätzliche Käufe getätigt, um Angebote oder Vergünstigungen in der App zu erhalten
  • Verbraucherzentrale: Profilbildung zu Werbezwecken und manipulative Designs müssen auch in Supermarkt-Apps verboten werden

 

Ob Lidl Plus, REWE- oder Kaufland-App: Supermärkte setzen verstärkt auf eigene Apps, um Kund:innen an sich zu binden. Aus Sicht der Verbraucherzentrale verleiten solche Supermarkt-Apps dazu, mehr Geld auszugeben. Zwei Drittel der Supermarkt-App-Nutzer:innen (67 Prozent) haben in den vergangenen zwei Jahren zusätzliche Käufe getätigt, um Angebote oder Vergünstigungen in der App zu erhalten. Das zeigt eine repräsentative Online-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

„Supermarkt-Apps ermöglichen Zugang zu Rabatten und Bonusaktionen. Gleichzeitig sollen die Apps Verbraucherinnen und Verbraucher noch näher an die Märkte binden und verleiten dazu, mehr Geld auszugeben“, so Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „App-Nutzer:innen geben persönliche Daten preis. Supermärkte können so gezielt das Einkaufs- und Ernährungsverhalten beeinflussen. Das sehen wir kritisch.“

Die Verbraucherzentrale fordert, dass Daten der Nutzer:innen nicht zu Werbeprofilen zusammengefasst werden dürfen. Der Einsatz manipulativer Designs, die dazu verleiten sollen, länger in der App zu bleiben oder mehr Geld auszugeben, muss verboten werden.  Eine Beispielsammlung des Verbraucherzentrale Bundesverbands zu Supermarkt-Apps zeigt: Gamification-Elemente wie Rabattstufen oder Gewinnspiele, bekannt unter anderem aus dem Online-Handel, werden zum Teil auch in Supermarkt-Apps eingesetzt.

Supermarkt-Apps können Kaufverhalten beeinflussen

Viele der befragten Verbraucher:innen (78 Prozent) nutzen Supermarkt-Apps. Davon gibt die Mehrheit (61 Prozent) an, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch die Nutzung solcher Apps verändert hat. Zwei Drittel der App-Nutzer:innen (67 Prozent) haben in den vergangenen zwei Jahren schon einmal zusätzliche Käufe getätigt, um Angebote oder Vergünstigungen in der App zu erhalten.

Gleichzeitig haben App-Nutzer:innen das Gefühl, dass sie durch Coupons und Rabattmöglichkeiten in der App bei ihrem Einkauf manchmal (69 Prozent) oder sogar bei jedem Einkauf (24 Prozent) Geld sparen. Die tatsächliche Ersparnis liegt laut dem Preisvergleichsportal Smhaggle im Durchschnitt allerdings gerade einmal bei maximal 2 Prozent.

Keine Supermarkt-App – kein Rabatt 

Verbraucher:innen, die für Supermarkt-Apps kein Kundenkonto eröffnen können oder wollen, werden mitunter von exklusiven Rabatten und Angeboten ausgeschlossen. Knapp drei von zehn Befragten, die keine Supermarkt-Apps nutzen (29 Prozent), verzichten auf die Nutzung solcher Apps, weil sie ihre persönlichen Daten nicht freigeben möchten. Welche Daten bei Einrichtung eines Kontos angegeben werden müssen, kann zwischen den Apps unterschiedlich sein. Mitunter werden umfangreiche Angaben, wie Name, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer verlangt. Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollten Supermärkte ihre Apps so gestalten, dass weder eine verpflichtende Registrierung erforderlich ist, noch personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben werden.

„Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise gilt: Rabatte dürfen nicht von der App-Nutzung abhängen. Alle Verbraucherinnen und Verbraucher müssen fairen Zugang zu Angeboten haben – ohne Zwang zur Datenpreisgabe“, so Pop.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband geht auch rechtlich gegen Supermarkt-Apps vor: Derzeit läuft ein Verfahren gegen Lidl. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale weist Lidl nicht ausreichend darauf hin, dass Nutzer:innen die Rabatte in der Lidl Plus-App mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Aus Sicht der Verbraucherzentrale darf Lidl die App nicht als „kostenlos“ bewerben.

Methode

Internetrepräsentative Online-Befragung (29. Oktober bis 3. November 2025) von eye square im Auftrag des vzbv. Basis: 1.000 Internetnutzer:innen ab 16 Jahren, davon 787 Nutzer:innen von Supermarkt-Apps. Statistische Fehlertoleranz: max. ± 3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe.

Ergänzend zu der Verbraucherbefragung wurde eine Beispielsammlung gängiger Smartphone-Apps von Lebensmittelhändlern des stationären Einzelhandels erstellt, um die Ergebnisse in einen praktischen Kontext zu setzen.

PM Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

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