Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt den Beschluss des SPD-Bundesvorstandes, wonach ein fairer Wettbewerb in Industrie und Handel dringend wieder hergestellt werden muss. „Gerade der Handel ist von unfairen Wettbewerbsverzerrungen betroffen, die durch eine regelrechte Überschwemmung mit Billigprodukten von internationalen Internetplattformen Arbeitsplätze und Geschäfte in unseren Innenstädten gefährden. Maßnahmen, die dieser Entwicklung auf nationaler und EU-Ebene einen Riegel vorschieben und europäische Unternehmen mit ihren hohen Qualitätsstandards von Waren und sozialen Arbeitsbedingungen schützen, sind daher zu begrüßen“, so Silke Zimmer, ver.di-Bundesvorstandsmitglied, zuständig für den Handel.
Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass die Verdrängung durch internationale Plattformen in Deutschland mit radikaler Tarifflucht inländischer Handelsunternehmen einhergehen. „Mehr als zwei Drittel der Handelskonzerne in Deutschland zahlen mittlerweile nicht mehr nach Tarif. Vor 20 Jahren haben noch alle Handelskonzerne Tariflöhne gezahlt. Jetzt gehen sie in den Preiskampf mit internationalen Unternehmen, und zwar auf dem Rücken der Beschäftigten. Das muss ein Ende haben! Daher brauchen wir in Deutschland neben dem Schutz europäischer Produkte auch den Schutz europäischer Beschäftigter. Wir appellieren daher an die Bundesregierung, die Tarifbindung in Deutschland wieder zum Normalfall zu machen. Es braucht eine rasche Umsetzung der EU-Verordnung, die vorsieht, dass sich die Unternehmen stärker zu Tariflöhnen und einer Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften bekennen“, sagte Zimmer.
Gute Löhne würden sich daran messen, ob die Kaufkraft der Beschäftigten wachse und sie sich ein würdevolles Leben leisten können. Derzeit sei das für die Beschäftigten im Handel nicht der Fall. Da müssten Politik, aber vor allem auch Unternehmen mehr soziale Verantwortung übernehmen, so die Spitzengewerkschafterin.