PETA erstattet nach Tigerausbruch Strafanzeige gegen Carmen Zander 

Vor zehn Tagen tötete die Polizei einen Tiger, der aus einer Gartenanlage der ehemaligen Zirkus-Dompteurin Carmen Zander entlaufen war. Das Tier wurde mit acht Artgenossen in einem privaten Gehege in Schkeuditz bei Leipzig gehalten. Ein 72-jähriger Mann, der sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs als Helfer im Gehege befand, erlitt schwere Verletzungen.

Bislang ist unklar, wie der Tiger ausbrechen konnte. PETA erstattete heute bei der Staatsanwaltschaft Leipzig, Zweigstelle Torgau, Strafanzeige gegen Carmen Zander. Die Tierrechtsorganisation wirft ihr fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen vor. Zudem fordert PETA vom Kreisveterinäramt Nordsachsen, die Tiger aus der Haltung zu nehmen und in eine geeignete Auffangstation zu bringen. Die Organisation appelliert an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, die Haltung von Tigern, Löwen und anderen Wildtieren in Zirkus und Privathand zu verbieten.

„Carmen Zander hat jahrelang gegen Auflagen und Verbote verstoßen. Inwieweit ihr unverantwortlicher Umgang mit den Tigern dazu beigetragen hat, dass ein Helfer verletzt und eines der Tiere getötet wurde, müssen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zeigen. Als Halterin ist sie für die sichere Unterbringung der Tiger verantwortlich“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Auch die Bundesregierung hat jahrzehntelang geschlafen und muss nun endlich handeln, damit der gefährliche Missbrauch von Großkatzen und anderen Wildtieren beendet wird.“

Hintergrundinformationen

Carmen Zander fiel bereits mehrfach wegen Tierquälerei auf
2024 führte Carmen Zander einen Jungtiger in Leipzig an der Leine „Gassi“ und züchtete trotz Verbots mehrfach Nachwuchs. 2013 veröffentlichte PETA ein Video, das unter anderem zeigt, wie die Dompteurin mit einem Stock auf einen Tiger losgeht. Zander gelang es nicht, die Tierrechtsorganisation gerichtlich zu zwingen, die Szene zu entfernen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf stellte im März 2014 fest, dass sie „im Rahmen der Dressur (notwendigerweise) durch dominante Zwangshandlungen den von ihr dressierten Tigern ihren eigenen Willen aufzwingt“.

Im Oktober 2025 stand Zander wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz in Eilenburg vor Gericht. Sie hatte die streng geschützten Tiere trotz fehlender behördlicher Erlaubnis an Ostern für Besuchende zur Schau gestellt und gegen Bezahlung das Streicheln der Jungtiger angeboten. Obwohl die Strafvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes Freiheitsstrafen ab drei Monaten vorsehen, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Als Auflage musste Carmen Zander 1000 Euro an den Tierschutzverein Wurzen zahlen.

2019 meldete ein Whistleblower, dass die Tiger im Stammquartier in einem kleinen Zirkuswagen mehrere Tage ohne Auslauf und Nahrung eingesperrt worden seien. PETA erstattete Strafanzeige aufgrund der mutmaßlich tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig stellte diese jedoch mangels hinreichenden Tatverdachts ein. Allerdings setzte die zuständige Veterinärbehörde 2019 fest, dass eine Nachzucht „[…] unter den derzeitigen Haltungsbedingungen nicht erlaubnisfähig“ sei.

Tigerbabys für Dressur in Zirkusbetrieben von der Mutter getrennt

Um die Dressur zu vereinfachen, werden in Zirkusbetrieben geborene Tiger häufig schon als Babys von der Mutter getrennt und per Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt. Auffällig oft behaupten Zirkusse, die Jungtiere seien von der Mutter verstoßen worden oder sie habe zu wenig Milch gehabt. Doch selbst wenn die Mütter ihren Nachwuchs tatsächlich ablehnen würden, wäre dies ein deutliches Anzeichen für eine nicht tiergerechte Haltung und eine haltungsbedingte Verhaltensstörung. [1]

Deutschland Schlusslicht beim Schutz von Tieren im Zirkus

Während in den vergangenen Jahren zahlreiche europäische Länder Regelungen erlassen haben, um Auftritte von und mit Wildtieren einzuschränken, gibt es in Deutschland noch immer kein Zirkus-Wildtierverbot. Andere Zirkusgrößen machen es vor: Circus Roncalli verabschiedete sich in den 1990ern von Wildtierdressuren und ist seit 2018 komplett tierfrei.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] Hirt/Maisack/Moritz, TierSchG, 3. Auflage, 2016, § 2, Rn. 30.

Weitere Informationen:


PETA.de/Neuigkeiten/Carmen-Zander-Tigerbaby
PETA.de/Themen/Zirkus
PETA.de/Themen/Löwen-Tiger-Zirkus

PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

PM PETA Deutschland e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://meinungsstark.eu/peta-erstattet-nach-tigerausbruch-strafanzeige-gegen-carmen-zander/

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.