Am kommenden Sonntag jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Die radioaktive Wolke, die sich vor vierzig Jahren über Europa verbreitete, stärkte die deutsche Anti-Atom-Bewegung. Heute sind die Reaktoren in Deutschland abgeschaltet. Weltweit geht die Nutzung der Atomkraft zurück – nur China baut diese weiter aus. Gleichzeitig steigen die Risiken durch Kriege und geopolitschen Spannungen, die auch vor bestehenden Atomanlagen keinen Halt machen.
Die groß angelegte russische Invasion in die Ukraine hat diese Risiken besonders deutlich gemacht. Die Schutzhülle über der Reaktorruine wurde von einer russischen Drohne zerstört. Das Atomkraftwerk bei Saporischschja war umkämpft und ist von Russland übernommen worden. Heinz Smital, Kernphysiker von Greenpeace, sieht die Zukunft der Energieversorgung dezentral und erneuerbar:
„Vierzig Jahre nach Beginn der Katastrophe von Tschernobyl müssen wir immer noch die Folgen bewältigen. Die hoch verstrahlten Gebiete rund um das Kraftwerk sind nach wie vor unbewohnbar. Zudem zeigt sich in der Ukraine, wie verwundbar Atomkraftwerke in Kriegszeiten sind und dadurch das Risiko für die Bevölkerung erhöhen.
Dezentrale und erneuerbare Energiesysteme beweisen in der Ukraine gleichzeitig, wie zuverlässig und widerstandsfähig diese Form der Energieversorgung inzwischen ist. Seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion in die Ukraine haben Pilotprojekte für Solarenergie in Kombination mit Batteriespeichern dazu beigetragen, ausgesuchte Krankenhäuser, Schulen und Kommunen funktionsfähig zu halten. Diese Systeme sind anders als zentrale Großkraftwerke schwerer außer Betrieb zu setzen, schneller zu reparieren und erzeugen weiterhin Strom, selbst wenn Teile des Netzes beschädigt sind.
Ein solches positives Beispiel ist die Ambulanz-Klinik in Horenka, einer kleinen Stadt nahe Kyiv. Nach einem russischen Angriff wurde die zerstörte Klinik wieder aufgebaut und mit einem Solarsystem ausgestattet. Seitdem ist die Klinik weitestgehend unabhängig von externer Energieversorgung und den damit verbundenen Stromausfällen aufgrund russischer Angriffe auf Großkraftwerke.”
PM Greenpeace Deutschland e.V.