Minister Pistorius wurden die ersten Ergebnisse für die Strukturreform des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), die Neugestaltung der Beschaffungsprozesse und die Aufstellung eines neuen Innovationszentrums vorgestellt. Heute informierte er dazu den parlamentarischen Raum. Mit dieser „Reformagenda Rüstung“ werden nach der Militärischen Gesamtkonzeption, dem personellen Aufwuchsplan, der Strategie der Reserve sowie der Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda weitere Aufträge des Ministers von der Bundeswehrtagung im November 2025 zeitgerecht erarbeitet.
Die Kernbotschaften:
Das BAAINBw wird flexibler strukturiert, um Expertise und Kapazitäten agil und zielgerichteter einzusetzen. Der Fokus liegt auf verstärkten Schnittstellen, Marktbeobachtung, Lieferantenmanagement sowie Lieferketten- und Preiskontrolle. Zudem wird das Beschaffungsamt seine Präsenz in der Fläche in Bremen neu aufbauen und in Dresden weiter ausbauen. Für eine bessere Vernetzung mit den Institutionen der EU und der NATO sowie Koordination multinationaler Programme ist auch eine Außenstelle in Brüssel geplant. Zudem werden wir den Bereich Government-to-Government (Regierungsverkäufe) stärken.
Die Bedarfsdeckung wird von der Einplanung bis zur Beschaffung gestrafft und standardisiert. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt anhand der Kriterien Agilität, Beschleunigung, Flexibilität und Innovationsfähigkeit. Zukünftig erfolgt kein streng sequentielles Abarbeiten von Prozessschritten und Dokumenten mehr. Vielmehr wird das Vorgehen auf das jeweilige Programm bzw. Projekte zugeschnitten.
Das Anfang des Jahres eröffnete Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding wird durch ein weiteres Innovationszentrum der Bundeswehr in Kiel ergänzt.
Die ersten Ergebnisse im Einzelnen
Reorganisation BAAINBw und Beschaffungsprozess:
Die Mitarbeitenden des BAAINBw haben in den letzten Jahren Erhebliches geleistet. Sie haben nicht nur eine nie dagewesene Menge an Beschaffungsvorhaben eingeleitet und betreut, sondern verantworten auch die Nutzung des stetig ansteigenden Materialpools der Truppe.
Nun wird die künftige Struktur des Beschaffungsamtes für die Zukunft ausgerichtet, um das anhaltend hohe Auftragsvolumen nachhaltig bewältigen, Innovationen in der Truppe fördern und noch enger mit der Industrie kooperieren zu können. Die Reformagenda ist das Ergebnis von sechs Monaten intensiver Arbeit, intensiver Beratungen und vieler Gespräche. Über 600 Reformvorschläge kamen von den Mitarbeitenden des BAAINBw selbst. Außerdem hat eine externe Expertengruppe aus Wissenschaft und Wirtschaft wertvolle Impulse geliefert. (Die Arbeit der Expertengruppe erfolgte „pro bono“.)
Das BAAINBw wird eine flexible Binnenstruktur erhalten, die an den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausgerichtet ist. Es wird auf ein sogenanntes Matrixsystem umgestellt, welches starre Röhren verhindert. Somit können Projektteams flexibel und agil zusammengestellt und Schwerpunkte schnell gebildet werden. Erweiterte Schnittstellen zur Industrie sollen es dem Beschaffungsamt ermöglichen, ein zentraler Ort für Markt- und Technologie-Sichtung zu werden.
Weitere neue Handlungsschwerpunkte sind die Marktbeobachtung, aktives Lieferantenmanagement sowie die Stärkung der Fähigkeiten zu Lieferketten- und Preiskontrolle, auch durch den Ausbau entsprechender Expertise im Haus. Die erhebliche Zunahme der Ausgaben im Bereich der Rüstungsinvestitionen macht eine sorgfältige Kostenkontrolle unerlässlich, die den vollen rechtlichen Handlungsspielraum optimal nutzt.
Um noch intensiver und besser mit Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten und qualifiziertes Personal zu gewinnen, wird das BAAINBw seine Präsenz in der Fläche weiter ausbauen.
Der Ableger in Bremen soll an einem der führenden Raumfahrtstandorte in Europa mit seiner unmittelbaren Nähe zu wichtigen Industriepartnern und Forschungseinrichtungen die Dimension Weltraum stärken. Zudem bietet Bremen als Technologie-, Marine- und Innovationsstandort viel Potential für industrielle Zusammenarbeit in der Dimension See.
Die bereits vorhandene Präsenz des BAAINBw in Dresden soll ausgebaut werden, um die Dimension Cyber und Informationstechnik zu stärken. Dresden ist einer der führenden Innovationsstandorte für IT und Technologie in Europa („Silicon Saxony“).
Eine Repräsentanz des Beschaffungsamtes in Brüssel soll einen frühen Zugang zu EU-Rüstungsinitiativen und eine bessere Vernetzung mit Partnerstaaten sowie Koordination von multinationalen Programmen gewährleisten.
Darüber hinaus werden wir Rüstungsexporte und Regierungsverkäufe (Government-to-Government) gezielt und ressortübergreifend fördern.
Die Bedarfsdeckung wird weiter optimiert, Geschwindigkeit, Innovationen und multinationale Zusammenarbeit noch stärker in das Zentrum gerückt. Zentraler Baustein ist die Reduzierung auf bestimmte Typen von Fallgruppen schon im Planungsprozess – ‚Fast Track‘ für dringende und/oder vergleichsweise einfache Beschaffungen, ‚Innovation‘ für zukunftsweisende Technologien und ‚Komplex‘ für Großprojekte. Disruptive Technologien, europäische Beschaffungswege und multinationale Kooperationen sollen frühzeitig identifiziert und gefördert werden. Damit wollen wir die strategische Souveränität Europas weiter stärken.
Die Umsetzung der Maßnahmen wird anhand eines Feinkonzepts erfolgen, das aktuell in Erarbeitung ist. Die Steuerung der Umsetzung der „Reformagenda Rüstung“ erfolgt aus dem BMVg in enger Abstimmung mit dem BAAINBw und wird durch ein begleitendes Change-Management unterstützt. Zusätzlich wird ein „Wissenschaftlicher Beirat Beschaffung“ etabliert, um die Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zu intensivieren.
Innovationszentren:
Das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding nutzt, gemeinsam mit dem etablierten Digitallaborverbund, bereits ein starkes Innovationsökosystem. Es hat bereits in wenigen Monaten unter Beweis gestellt, dass Industrie, Start-Ups, Wissenschaft und Bundeswehr gemeinsam Projekte schnell auf den Weg bringen können. Um dieses Erfolgsmodell weiter auszubauen, wird der zentrale Innovationsstandort in Erding durch ein Innovationszentrum in Kiel ergänzt.
Kiel ist ein wichtiger Standort für die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, mit Schwerpunkten auf Schiffbau, Landsystemen sowie Marineelektronik. Wir werden die Nähe zur Deutschen Marine, zu etablierten Forschungseinrichtungen und das ausgeprägte Innovationsökosystem vor Ort nutzen.
Derzeit wird ein detailliertes Konzept zu den Standortentscheidungen erarbeitet. Der Aufstellungsprozess des neuen Innovationszentrums in Kiel verläuft parallel zum personellen Aufwuchs des Innovationszentrums in Erding und wird voraussichtlich noch in diesem Jahr angestoßen.
PM Bundesministerium der Verteidigung