Am heutigen Freitag, den 15. Mai 2026 sind mehr als 5.000 Handelsbeschäftigte dem ersten Warnstreikaufruf in der Tarifauseinandersetzung zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und den Arbeitgebern im Handel gefolgt und nahmen an zentralen Streikkundgebungen in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Dortmund teil.
In der Ruhrgebietsstadt rief Silke Zimmer, ver.di-Bundesvorstandsmitglied, zuständig für den Handel, die Streikenden dazu auf, sich das skandalös niedrige Angebot der Arbeitgeber von dieser Woche nicht gefallen zu lassen: „Der Handel ist mit fünf Millionen Beschäftigten der größte private Wirtschaftssektor für Dienstleistungen in Deutschland. Eure Arbeit hat einen großen Wert -für die Konzerne, die mit Eurer Arbeit auch in schweren Zeiten Profite erwirtschaften. Und er hat auch einen großen Wert für die Menschen, die durch Euch mit wichtigen Gütern versorgt werden. Dieser Wert muss sich auch in Eurem Portemonnaie widerspiegeln!“ Anstatt dass sie deutliche Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten zeigten, würden die Arbeitgeber die Verhandlungen mit ihrem niedrigen Angebot „bereits am Anfang der Verhandlungen regelrecht eskalieren“, so Zimmer. Die reale Kaufkraft der Löhne und Gehälter seien aktuell auf dem Niveau von 2020. „Wir fordern deshalb zügig ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber.
Gestreikt wurde in Berlin-Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg mit zentralen Kundgebungen in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Dortmund. Bestreikt wurden über 200 Betriebe, darunter Filialen von Edeka, REWE, KAUFLAND, Marktkauf, Penny, Douglas, Primark, Zara, H&M, Metro, IKEA.
Eckdaten:
Der Handel macht in Deutschland 2,17 Billionen Euro Gesamtumsatz (Vorläufige Zahlen Destatis für 2025). Davon 823 Milliarden Euro im Einzelhandel und 1,35 Billionen Euro im Groß- und Außenhandel. 82,9 Milliarden Euro davon sind reiner Gewinn, davon 25 Milliarden Euro im Einzelhandel und 57,9 Milliarden Euro im Groß- und Außenhandel.
Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Einzelhandel ab dem 6. Berufsjahr verdient bei einem Vollzeitvertrag rund 3.219 Euro brutto (Beispiel NRW).
Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel verdient bei einem Vollzeitvertrag ab dem 7. Tätigkeitsjahr 3.394 Euro brutto (Beispiel NRW).
Rund 65 Prozent der Einzelhandelsbeschäftigten arbeiten meist unfreiwillig in Teilzeit. Es sind meist Frauen, bei denen das Geld deswegen und aufgrund der ohnehin niedrigen Löhne nicht reicht und aufgestockt werden muss.
Rund 80 Prozent aller Handelsbeschäftigten erreicht keine Bruttomonatsrente von 1.400 Euro.